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11. Februar 20266 Min. Lesezeit
Praxis

FSC & PEFC und EUDR: Können Zertifikate Compliance ersetzen?

FSC und PEFC unter der EUDR: Warum Nachhaltigkeitszertifikate die Sorgfaltspflicht nicht ersetzen, aber die Risikobeurteilung unterstützen können.

EUDR
FSC
PEFC
Zertifikate
Compliance

von EUDR Software Team

FSC & PEFC und EUDR: Können Zertifikate Compliance ersetzen?

Diese Frage stellen sich viele Holzhändler und Importeure, die bereits seit Jahren mit FSC- oder PEFC-zertifizierten Produkten arbeiten: „Wir kaufen doch nur zertifiziertes Holz — sind wir damit EUDR-konform?" Die kurze Antwort ist: Nein. Zertifikate ersetzen die EUDR-Sorgfaltspflicht nicht. Aber sie sind auch nicht wertlos — wenn man weiß, wie man sie richtig einsetzt.

Was FSC und PEFC zertifizieren

FSC (Forest Stewardship Council) und PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification) sind die weltweit führenden Nachhaltigkeitszertifizierungen für Waldwirtschaft und Holzprodukte.

FSC-Zertifizierung

Das FSC-System umfasst zwei Hauptzertifikate:

FSC Forest Management (FM): Zertifiziert, dass ein Wald nach den FSC-Prinzipien für verantwortungsvolle Forstwirtschaft bewirtschaftet wird. Die Standards decken ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte ab.

FSC Chain of Custody (CoC): Zertifiziert, dass Holz und Holzprodukte durch die gesamte Verarbeitungskette zurückverfolgt werden können — vom Wald bis zum Endprodukt.

FSC garantiert damit: Das Holz stammt aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern und die Lieferkette ist kontrolliert.

PEFC-Zertifizierung

PEFC funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip, arbeitet aber mit nationalen Zertifizierungssystemen zusammen, die PEFC-anerkannt sind. In Deutschland ist das PEFC Deutschland e.V. Die Inhalte der Standards variieren je nach Land, erfüllen aber alle gemeinsame Mindestanforderungen.

Was beide Systeme NICHT zertifizieren

Hier liegt das entscheidende Missverständnis: FSC und PEFC zertifizieren nachhaltige Forstwirtschaft und Rückverfolgbarkeit in der Lieferkette — aber nicht explizit die Anforderungen der EUDR. Konkret fehlt bei beiden Systemen:

  • Keine standardisierte Übermittlung von Geo-Koordinaten im EUDR-Format
  • Kein Stichtag 31. Dezember 2020: Weder FSC noch PEFC prüfen systematisch, ob Wälder vor diesem Datum abgeholzt wurden
  • Keine Sorgfaltserklärung (DDS): Kein der Zertifizierungssysteme erzeugt eine DDS oder ist mit dem EU-Informationssystem verknüpft
  • Keine automatische Entwaldungsprüfung mittels Satellitendaten

Die EUDR-Anforderungen: Was wirklich verlangt wird

Die EUDR verlangt gemäß Artikel 9 und 10 eine eigenständige Due-Diligence-Prüfung für jede Lieferung. Das bedeutet:

Informationssammlung (Art. 9):

  • Geo-Koordinaten der genauen Erzeugungsfläche (Geopunkt oder Polygon)
  • Nachweis, dass die Fläche am 31. Dezember 2020 nicht entwaldet war
  • Nachweis der Legalität der Ernte nach dem Recht des Herkunftslandes
  • Vollständige Angaben zu Produkt, Menge, Wert und Lieferkette

Risikobeurteilung (Art. 10):

  • Systematische Risikobewertung auf Basis der gesammelten Informationen
  • Berücksichtigung des Länder-Benchmarkings der EU-Kommission
  • Satellitenbasierte Entwaldungsprüfung

Sorgfaltserklärung (DDS):

  • Einreichung über das EU-Informationssystem vor der Einfuhr
  • Bestätigung, dass das Risiko vernachlässigbar ist

Nichts davon wird durch ein FSC- oder PEFC-Zertifikat automatisch erfüllt. Zertifizierte Produkte müssen denselben Due-Diligence-Prozess durchlaufen wie unkertifizierte.

Die Lücke zwischen Zertifikat und EUDR-Compliance

Die folgende Tabelle zeigt, welche EUDR-Anforderungen durch Zertifikate abgedeckt werden — und welche nicht:

| EUDR-Anforderung | FSC CoC | PEFC CoC | Manuell erfüllen | |-----------------|---------|---------|-----------------| | Nachhaltige Waldwirtschaft | Ja | Ja | — | | Rückverfolgbarkeit in der Lieferkette | Ja | Ja | — | | Geo-Koordinaten der Erzeugungsfläche | Nein | Nein | Erforderlich | | Entwaldungsprüfung (Stichtag 31.12.2020) | Nein | Nein | Erforderlich | | Legalitätsnachweis nach EUDR-Definition | Teilweise | Teilweise | Erforderlich | | Sorgfaltserklärung (DDS) | Nein | Nein | Erforderlich | | Risikobeurteilung nach Art. 10 | Nein | Nein | Erforderlich |

Das bedeutet: Auch ein vollständig FSC-zertifizierter Importeur muss Geo-Koordinaten beschaffen, eine Entwaldungsprüfung durchführen, eine Risikobeurteilung erstellen und eine DDS einreichen. Der Zertifizierungsstatus ändert daran nichts.

Wie Zertifikate die Risikobeurteilung unterstützen

Auch wenn Zertifikate die Due Diligence nicht ersetzen, sind sie nicht irrelevant. Im Rahmen der Risikobeurteilung nach Art. 10 können FSC- und PEFC-Zertifikate als risikomindernsde Faktoren berücksichtigt werden.

Konkret helfen Zertifikate bei:

Nachweis legaler Ernte: FSC und PEFC verlangen die Einhaltung der nationalen Forstgesetze. Entsprechende Zertifikate können als Teilnachweis für die Legalitätsanforderung der EUDR dienen — aber nicht als vollständiger Ersatz.

Bewertung der Lieferantenverlässlichkeit: Ein zertifizierter Lieferant hat externe Audits bestanden und verfügt über dokumentierte Prozesse. Das ist ein positiver Indikator bei der Bewertung der Lieferkette.

Risikoeinstufung: Bei der Gesamtbewertung eines Lieferanten kann die Zertifizierung dazu beitragen, das Risiko als niedriger einzustufen — sofern alle anderen EUDR-Anforderungen ebenfalls erfüllt sind.

Erleichterung beim Lieferanten-Onboarding: Zertifizierte Lieferanten sind es gewohnt, Dokumentation bereitzustellen und mit Audit-Systemen zu arbeiten. Das erleichtert die Kommunikation über EUDR-Anforderungen.

Praktische Konsequenzen für zertifizierte Unternehmen

Wenn Sie aktuell ausschließlich FSC- oder PEFC-zertifizierte Produkte handeln oder importieren, bedeutet EUDR folgendes:

Was Sie nicht brauchen: Sie müssen Ihren Zertifizierungsstatus nicht aufgeben und keine neuen Lieferanten suchen. Ihre bestehenden Lieferantenbeziehungen können Sie beibehalten.

Was Sie zusätzlich brauchen:

  1. Geo-Koordinaten von jedem Ihrer Lieferanten für jede Erzeugungsfläche — das ist der größte operative Aufwand
  2. Entwaldungsnachweis durch Satellitendatenanalyse für jede Lieferung
  3. Dokumentierten Risikobeurteilungsprozess für jede Lieferung
  4. DDS-Einreichung über das EU-Informationssystem vor jedem Import
  5. 5-jährige Archivierung aller Unterlagen

Gute Nachricht: Da Ihre Lieferanten bereits in Zertifizierungssystemen eingebunden sind und Erfahrung mit Dokumentationsanforderungen haben, ist das Lieferanten-Onboarding für EUDR erfahrungsgemäß einfacher als bei nicht-zertifizierten Lieferketten.

Was Ihre Lieferanten jetzt tun müssen

Auch FSC- oder PEFC-zertifizierte Lieferanten müssen für die EUDR zusätzliche Daten bereitstellen. Sprechen Sie mit Ihren Lieferanten über:

  • Geo-Koordinaten: Können sie die Koordinaten der Erzeugungsflächen liefern? In welchem Format?
  • Flächengröße: Sind die Flächen kleiner oder größer als 4 Hektar? (Bestimmt, ob Geopunkt oder Polygon erforderlich ist)
  • Erntedatum: Können sie belegen, dass die Ernte nach dem 31.12.2020 stattfand und die Fläche zu diesem Zeitpunkt nicht entwaldet war?

Hinweise zur Geodaten-Beschaffung und den technischen Anforderungen finden Sie im EUDR-Leitfaden für Holzunternehmen.

Häufige Missverständnisse

"Unser Lieferant ist FSC-zertifiziert, also sind wir compliant."

Falsch. FSC des Lieferanten sagt nichts über Ihre eigene Due-Diligence-Pflicht als Importeur aus. Sie als Marktteilnehmer müssen den gesamten Prozess selbst durchführen.

"FSC schließt Entwaldung aus, also brauchen wir keine Entwaldungsprüfung."

Nicht korrekt. FSC prüft zwar nachhaltige Forstwirtschaft, aber nicht explizit den EUDR-Stichtag 31. Dezember 2020 mit den dort geforderten technischen Nachweismethoden.

"Mit FSC/PEFC können wir vereinfachte Sorgfaltspflichten geltend machen."

Die EUDR kennt keine Vereinfachung aufgrund einer Zertifizierung. Vereinfachte Pflichten gibt es nur für Händler (gegenüber Marktteilnehmern) — unabhängig vom Zertifizierungsstatus. Details zu den Anforderungen für Importeure finden Sie hier.

Fazit: Zertifikate nutzen, Due Diligence nicht umgehen

FSC und PEFC bleiben wertvolle Instrumente für nachhaltige Forstwirtschaft und spielen in der EUDR-Compliance eine unterstützende Rolle. Aber sie ersetzen die EUDR-Due-Diligence nicht — das hat der EU-Gesetzgeber bewusst so entschieden.

Die pragmatische Konsequenz: Behalten Sie Ihre Zertifizierungen bei, nutzen Sie sie als positiven Faktor in der Risikobeurteilung, und bauen Sie parallel dazu einen vollständigen EUDR-Compliance-Prozess auf.

EUDR Software unterstützt Sie dabei: Die Plattform ist so konzipiert, dass bestehende FSC- und PEFC-Dokumentation integriert und als Teil der Risikobeurteilung genutzt werden kann — während gleichzeitig alle darüber hinausgehenden EUDR-Anforderungen erfüllt werden. Vereinbaren Sie jetzt eine kostenlose Demo.

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